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Fotos aus der Zeit zwischen 1942 und 1945

Foto: Château de Bassines

Schade, dass ich nicht auch ein Foto vom Interieur des Schlosses habe, denn das hätte sich wirklich gelohnt. Vor allem der große Salon mit den antiken Möbeln und gemalten Porträts des belgischen Adels, die an der Wand hingen. Alles war ein wenig verschlissen, aber das tat der Atmosphäre keinen Abbruch, im Gegenteil. Neben dem Salon befand sich der Speisesaal und gelegentlich hatte Herr Cougnet uns etwas mitzuteilen. Dann nahm er ein Glas und tickte darauf mit einem Messer, damit es leise wurde.

In dem Schloss befanden sich die Schlafsäle der Kleinen und Mädchen. Die Jungs hatten einen Schlafsaal im ersten Stock eines Nachbargebäudes. In diesem Gebäude gab es unten einen großen Saal, in dem wir jeden Nachmittag von 16:00 bis 17:30 Hausaufgaben machten. Das Interieur des Schlosses war im Renaissance Stil. Es ist sehr schade, dass das Schloss nicht mehr existiert – es wurde in den sechziger Jahren abgerissen.

Foto: Château de Bassines

Die Vorderseite des Schlosses mit dem Eingang in der Mitte. Hinter dem Schloss ist ein Park und dahinter ein großer Wald mit einer prächtigen Zufahrt mittendrin. Eines Tages fuhr ein deutsches Auto mit Soldaten zum Schloss. Sie suchten einen österreichischen Jungen, da er jüdisch war. Der Junge, George Kluger, sah wie sie kamen und flüchtete in den Wald hinein. Dort kletterte er in einen Baum und wartete oben im Baum, bis die Deutschen wieder abgezogen waren – er hat den Krieg überlebt.

Foto: Eugène Cougnet

„Eugène Cougnet, geboren am 01.08.1892 in Ledeberg-Gent, war ein Pädagoge und ein Lehrer, der sein Leben nicht nur jungen Menschen geweiht hat, sondern allen, die seine Hilfe in Anspruch nehmen wollten. Dies geschah vor allem während der Besatzung“.

Dieser Satz wurde von George van Lefferinge in seinem Brief vom 7. Januar 1983 an Yad Vashem im Rahmen seiner Anerkennung als Gerechter unter den Völkern geschrieben.

Das Internat, das Herr Cougnet führte befand sich erst in der Ortschaft Heide (bei Antwerpen) und hatte den Namen „Adlernest“. 1939 wurde die Schule nach „Château de Bassines“ in Méan-en-Condroz in den Ardennen verlegt.

In meiner Kriegsgeschichte kann man lesen, dass Herr Cougnet in Bassines Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufnahm, die alle jüdisch waren und dass die Feldgendarmerie am 25. Oktober 1943 alle verhaftete. Herr Cougnet wurde ins Konzentrationslager Gros Rosen deportiert, wo er starb. Im Schloss befanden sich außerdem noch Waffen und ein Radiosender. Diese wurden von den Deutschen nicht gefunden, sonst wäre Herr Cougnet auf der Stelle erschossen worden.

Es ist vor allem der Erinnerung an Herrn Cougnet zu verdanken, dass ich anfing, mich für die Vergangenheit zu interessieren und ich mich damit beschäftigte, die ehemaligen Bewohner von Bassines aufzuspüren. Ich sehe ihn noch vor mir mit seinem schönen Bart – er hat einen unvergesslichen Eindruck auf mich gemacht.

Er war nicht nur ein außergewöhnlich mutiger Mann, sondern auch ein außerordentlich guter Lehrer. Als ich 1942 im Schloss ankam, sprach ich kaum Französisch. Er rief mich zu sich um mir mitzuteilen, dass ich genau wie die anderen in der französischen Sprache am Unterricht teilnehmen musste. Außerdem würde ich von einer Lehrerin Privat-Unterricht bekommen. Das war ein nettes und hübsches Mädchen – sie war 22 Jahre alt – Fräulein Pollet hieß sie, ihr echter Name war Polski. 1994 habe ich sie während eines Treffens wiedergesehen und mit ihr über die Vergangenheit geredet. Es war schon lustig, dass ich nach meiner Rückkehr zu Hause bei meinen Eltern in Brüssel Schwierigkeiten hatte, Niederländisch zu sprechen.

Foto: Eugène Cougnet

Eugène Cougnet, wie er mit dem jüngsten der drei Kinder Waedemon vor dem Eingang des Schlosses steht.

Foto: Erstes Foto von Nico Hamme in Bruessel

Dieses Foto wurde im Monat Juli 1942 von einem Straßenfotografen bei dem Naamse Tor in Brüssel gemacht. Ich hatte direkt nach Ankunft in Brüssel ein Paar Schuhe gekauft, da all meine Schuhe sich noch in Amsterdam befanden. Das ist also mein erstes Bild in Brüssel.

Foto: Klassenfoto

Dieses Foto wurde 1944 in meinem Klassenraum der „Prinses Juliana School“ gemacht. Ich sitze in der mittleren Reihe hinter den beiden Mädchen. Herr Neven steht hinten in der Ecke. 2003 feierte die Schule ihr 100-jähriges Jubiläum mit einer Reunion von ehemaligen Schülern, bei der ich auch anwesend war. Es gab mindestens 6 jüdische Ehemalige, die diese Schule damals besucht haben, als sie in Belgien untergetaucht waren.

Wie ich auf diese Schule gekommen bin, ist eine interessante Geschichte: Als ich vom Internat in Bassines nach Brüssel kam, war ich schon 18 Jahre alt. Nur auf Papier in meinem Ausweis war ich 16. Da ich offiziell im Melderegister eingeschrieben war, sah ich keine Schwierigkeiten, arbeiten zu gehen. Ich fand eine Stelle als Pelzmacher. Einige Monate später bekam ich einen Aufruf, mich beim Arbeitsamt zu melden. Ein junger Beamter empfing mich und sagte mir, dass ich nach Deutschland zum „Arbeitseinsatz“ soll. Er stellte noch einige andere Fragen und plötzlich fragte er: „Willst du denn überhaupt in Deutschland arbeiten?“. Selbstverständlich sagte ich: „Nein, überhaupt nicht“. Dann sagte er: „Du bist 16, du kannst noch zur Schule gehen, dann brauchst du nicht nach Deutschland zum Arbeiten“.

Als ich zu Hause meinen Eltern davon erzählte, ist meine Mutter am nächsten Tag sofort zur holländischen Schule gegangen um mich dort in der 4. Klasse MULO einschreiben zu lassen. Herr Neven fragte nichts. Meine Schwester ging bereits auf diese Schule, also kannte er meine Mutter. Ich bin überzeugt, dass er die Lage verstand.

Foto: Menschengruppe am Château de Bassines

Dieses Foto wurde 1942 gemacht. Oben sind George van Liefferinge, Pouss (André) Cougnet, darunter Robert Arouete, Philip Lejeune, Francois Dekker, Monsieeur Cambron, Monsieur Cornille, ? , George Kluger {kletterte in den Baum}, unten Jean Arouete, Pierre, Nicole und Francine Waedemon.
Robert schickte mir das Foto zusammen mit einer eindrucksvollen Kriegsgeschichte über seine Erlebnisse.

Foto: Schülergruppe in Bassines

Eine Gruppe Schüler in Bassines – Foto von 1942. Damals war ich noch nicht da. Im Stehen von links nach rechts: Margot Cuvelier (Grünewald), Pierre de Muyter (Sammy Rubenstein), Jean Jacques Adam, Jacques Waedemon, Christine Page, Jean Jean Cougnet, ? , ? . Im Sitzen: Pierre Waedemon, ? , Jean Arouete, Claude Grosjean, Sylvain Somers, (Suchowolski), André Arouete, einer der Brüder Smit und noch drei unbekannte Kleine. Die vier Kinder Waedemon befanden sich in Bassines, da ihr Vater, ein Pilot, 1940 nach England abgefahren war.

Foto: Schülergruppe in Bassines nach einem Basketball-Wettkampf

Hinter dem Schloss gab es ein Gelände, auf dem einige Schüler mit Hilfe eines Lehrers ein Basketball-Feld erstellt hatten. In einem Aufsatz über dieses Thema, das ich für die Französischlehrerin schreiben musste, schrieb ich: „Hier wird eine Art Boxen mit einem Ball, dass man hier Basketball nennt, durchgeführt“ und auch den Satz: „Das Ziel des Spiels ist nicht das Erzielen eines Treffers, sondern das Schaffen eines Gegners“. Selbstverständlich war das humoristisch gemeint, Tatsache war jedoch, dass die Spieler sehr fanatisch spielten. Auf dem Foto sieht man einige Spieler und Zuschauer miteinander zanken. Ganz rechts steht Robert Arouete, dahinter Jacqques Moreau (Szwarctburt), Jean Arouete, Philippe II (Weyckmans), etwas weiter entfernt Léon Tenier (Tenzer, mein bester Kumpel). Man sieht auch einige Pfadfinder. Während der Sommerferien empfing das Schloss eine Gruppe katholischer Pfadfinder, die dort gecampt haben. Dieses Foto wurde nach einem Wettkampf zwischen Schülern und Pfadfindern geschossen.

Foto: Meine Mutter und Schwester beim Hauseingang

Auf diesem Bild sieht man, wie meine Mutter und Schwester unser Haus betreten. Dieses Foto wurde 1944 nach der Befreiung genommen. Während der Besatzung hatte ich viel Kontakt mit dem Sohn unserer Nachbarn, einem jungen Mann meines Alters. Die Nachbarn wussten nichts von unserer Situation, obwohl ich glaube, dass sie sehr wohl etwas vermuteten. Wir hatten die gleichen Hobbies und wir besuchten uns gegenseitig oft, er mich und ich ihn. Sein Name war Daniel Dansaert.

Am 13 Juli 1944 feierte ich am Nachmittag meinen Geburtstag mit einigen Freunden und Bekannten, mit Daniel, Hans Meddens und noch einigen anderen. Wir spielten Schallplatten und die Musik war ziemlich laut. Plötzlich kam Daniel dicht zu mir um zu sagen, dass er an der anderen Seite der Strasse zwei Männer sah, die dabei waren unser Haus zu beobachten. Vorsichtig schaute ich hinaus und sah tatsächlich diese Männer. Ich machte mir Sorgen, zeigte jedoch hiervon nichts – im Gegenteil: ich machte einen Scherz und sagte, dass diese Männer ja vielleicht auch mitfeiern möchten.

Nach der Befreiung erzählte Daniel mir etwas Merkwürdiges. Er sammelte Schmetterlinge und Käfer, die er aufspießte. Einige Tage nach meinem Geburtstag ging er alleine in den Wald um Käfer zu suchen. An einem einsamen Ort angekommen fing er mit der Suche an. Plötzlich näherten sich dieselben zwei Männer, die anfingen Fragen über uns zu stellen. Was weißt du von den Nachbarn, etc, etc??? Er war also vom Haus bis tief in den Wald hinein verfolgt worden. Daniel antwortete, dass er nichts wusste und uns einfach nette Leute fand. Nach ungefähr einer Viertelstunde mit Fragen zogen die Männer wieder ab. Wir werden nie erfahren, wer sie waren und was sie wollten. Vermutlich waren es Verräter. Wir hatten Glück, dass die Befreiung kurz danach folgte, denn sonst hätten sie bestimmt Aktionen gegenüber uns unternommen.

Glück spielte übrigens eine wichtige Rolle für uns in dieser Zeit. Eines Tages, als meine Eltern und Schwester noch in Ukkel wohnten, hielt direkt vor der Haustür ein Auto mit einem Deutschen und einem Belgier in Zivil an. Sie stiegen aus und klingelten an die Tür. Die Bewohnerin, Madame Barrez, öffnete die Tür und fragte was sie wollten. Der Belgier sagte, dass ihm zu Ohren gekommen war, dass hier Juden wohnen. Madame Barrez blieb sehr ruhig und sagte, dass sie dies sehr gut verstehen könne. Schließlich wohnten hier früher in der Tat Juden, die allerdings schon längst wieder ausgezogen waren. Angesichts der Tatsache, dass die Villa leer stand und sie geschieden war hätte sie sie für sich und ihre Kinder gemietet. Jetzt würden hier keine Juden mehr wohnen. Daraufhin bedankten sich die Männer bei ihr für die Informationen und gingen wieder. Zum Glück waren sie nicht besonders klug.

Eines Tages wartete mein Vater an der Straßenbahn-Haltestelle in der Avenue Louise. Während er wartete las er im Stehen eine Zeitung. Es war an einer Kreuzung. Ein Deutscher Soldat regelte den Verkehr und machte ein Stoppzeichen. Neben meinem Vater hielt ein Citroen an. In einem Blitz erkannte mein Vater in dem Auto den berüchtigten Jacques. Er beherrschte sich und las ruhig seine Zeitung weiter, obwohl er bemerkte, dass Jacques ihn beobachtete. Plötzlich gab der Soldat ein Zeichen, damit der Verkehr weiterfahren sollte und der Citroen war weg. Ufff … laut meines Vaters wollte Jacques gerade meinen Vater auffordern einzusteigen, aber er war zu spät …

Foto: 11. juli 1945 Geburtstag von Hanneke Hamme

Dieses Foto wurde am 11 Juli 1945, an meinem 12. Geburtstag, gemacht. Mein erster Geburtstag nach der Befreiung konnte ich mit acht Freundinnen feiern, die alle auf der Prinzessin Juliana Schule waren. Zusammen mit meinen Eltern gingen wir an diesem Tag zu einem Spielplatz (La Ferme Rouge).

Auf dem Bild von links nach rechts: Els Doodeheefver, Jetteke Emmering, Juultje Meddens, Elsje Niesingh, Ellen Werhaauer, Nellie Niesingh, ich – Hanneke Hamme, Pippie Stodel, Anneke Zijlstra.

Während des Krieges war ich sechs Monate zu Hause bei Herrn und Frau Meddens, die mich liebevoll in ihrer Familie aufgenommen haben. Mit Juultje habe ich immer noch viel Kontakt. Ellen Werthauer wohnt in den Vereinigten Staaten – sie hat den Ritterorden empfangen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit für die W.U.V. 1940-1945 (Wet Uitkering Vervolgingsslachtoffers: Gesetz Zuwendung Verfolgungsopfer). Nellie Niesingh ist vor einigen Jahren gestorben. Pippie Stodel wohnt Amsterdam, wir sind immer noch Freundinnen. (Text von Hanneke Hamme)

Foto: Eltern Meddens en Hamme

Wir Kinder haben die Kriegsjahre in einer Sorglosigkeit erlebt, die typisch für unser Alter war, was sicherlich nicht auf unsere Eltern zutraf, trotz der Augenblicken der Entspannung, die zusammen verbracht wurden (siehe Bild in dem Ter Kameren Bos bei Brüssel).

Von den vier Personen am Tisch sind meine Eltern, Elizabeth Meddens (links vorne) und Theodorus Meddens (links hinten), 1938 aus den Niederlanden emigriert um sich in Brüssel zu etablieren. Ro Koekoek und Emanuel Hamme sind die Eltern von Hanneke und Nico. Beide Familien fühlten nicht nur Sympathie für einander, sie wurden Freunde fürs Leben. Wir haben noch regelmäßig Kontakt zu einander und wohnen gegenseitig unseren festlichen Ereignissen bei.

Als meine Mutter und Frau Hamme während dieser Zeit mal in einer Straßenbahn Richtung Stadt fuhren, wurden sie Zeuge einer Razzia, was sie selbstverständlich sehr ängstlich machte. Ich erinnere mich daran, dass ich einem Nachbarmädchen erzählte, dass ein jüdisches Mädchen in unserem Haus lebte, obwohl ich meinen Eltern versprochen hatte, dies geheim zu halten. Meine Eltern wurden daraufhin freundlich gewarnt – danach habe ich gelernt über Geheimnisse zu schweigen. Trotz der Schrecken dieses Krieges sind innige Bande entstanden und Samen für Hoffnung gesät worden. (Text von Juul Meddens)

Foto: Hans Meddens

Dies ist ein Foto des ältesten Sohnes der Familie Meddens. Wir waren im gleichen Alter und sehr gut befreundet. Er war sehr intelligent und hatte viel Gefühl für Humor. Er wurde Priester und zog nach Rom, aber nach etwa 10 Jahren ist er wieder aus der Kirche ausgetreten und heiratete eine Italienerin. Leider starb sie bei einem Flugzeugabsturz. Einige Jahre später heiratete er wieder, diesmal eine Sizilianerin. In wohnte bis zu seinem Tod, Mitte März 2009, in Palermo. Er war mir sehr sympatisch und ich sehe dieses Bild als Ehrbezeugung ihm gegenüber.

Foto: Umzug von Bruessel nach Amsterdam

15. Oktober 1945, der Tag unserer Rückkehr nach Amsterdam für meine Eltern, meine Schwester und mich. Wir sind mit einem kleinen Koffer nach Belgien gegangen und für die Rückkehr hatte mein Vater einen LKW gemietet. Auf dem Bild sieht man den LKW vor unserem Haus im Moment, in dem mein Fahrrad verladen wird. Hinter dem LKW stehen Frau und Herr Stodel, Bekannten von vor dem Krieg, die wir in Brüssel wiedersahen, wo sie, genauso wie wir, untergetaucht waren. Wir begegneten sie im Niederländischen Konsulat in Brüssel, wo wir uns gemeldet haben, kurz nach der Befreiung. Wir mussten wieder Niederländische Staatsbürger werden und ich muss sagen, dass wenn wir das nicht gemacht hätten, wären wir für den Rest unseres Lebens in Belgien geblieben. Später habe ich das bereut.

Ihre Tochter war 12 Jahre alt, genauso wie meine Schwester – beide Mädchen waren bereits in Amsterdam Freundinnen und auf der gleichen Schule. Ihre Begeisterung war gewaltig und auch der Lärm, den sie machten, so dass ein Beamter aus seinem Büro kommen musste und um Ruhe bat. Des Weiteren sieht man Madame De Wit, die uns drei Stockwerke ihres Hauses in der Meerstraat Nr. 34 bei der schönen Avenue Louise vermietet hatte. Sie selbst wohnte im ersten Stock und wir auf den oberen drei.

Ich habe schöne Erinnerungen an die Zeit zwischen der Befreiung und die Rückkehr nach Amsterdam – es würde jedoch zu weit führen, darüber jetzt detailliert zu berichten. Herr Stodel reiste mit uns nach Amsterdam. Er war ein bekannter Antiquitätenhändler und musste für Geschäfte dort hin. Die Rückkehr nach Amsterdam war für mich eine herbe Enttäuschung. Im Vergleich zu Brüssel war es dort trist. Ich fand niemanden von meinen alten Freunden mehr zurück und fühlte mich einsam und unglücklich. Ich habe ein Praktikum in Rotterdam gemacht und dort war es noch trister. Was für Unterschied zu Brüssel! Im Monat Mai 1946 wurde ich zum Militärdienst aufgerufen. Während dieser Zeit hat es mir so leid getan, dass ich nicht in Brüssel geblieben bin.

Foto: Ehemaliges Hotel in Gistoux

Dieses Foto wurde circa 1980 während einer „Wallfahrt“ in Gistoux, einem Dorf südlich von Brüssel, genommen. Jetzt ist das Haus ein Restaurant. In 1942 war es ein Hotel mit dem Namen „Les Accacias“. Im Monat Juli 1942 haben wir dort einige Wochen, in Erwartung unserer Reise in die Schweiz, übernachtet. Die Abreise hat nie stattgefunden, denn einige Fluchthelfer waren in den Händen der Deutschen gefallen.

Herr Bolle schlug uns vor in Belgien zu bleiben oder mit Hilfe einer anderen Organisation, die er gerade gefunden hatte, in die Schweiz zu flüchten. Ende Juli brachen wir mit einer Gruppe von circa 30 Menschen im Zug nach Lille auf. Eine Dame dieser Organisation führte uns dort zu einem Lokal. Das Lokal war dreckig, voll mit deutschen Soldaten und Huren. Diese Dame bat uns dort zu warten bis sie mit einem Autobus zurückkommen würde, der uns in die Schweiz bringen sollte. Aber nach einer halben Stunde war sie immer noch nicht wieder zurück gekommen und wir hatten kein Vertrauen mehr. Gegenüber von diesem Lokal war ein anderes Lokal, das viel gepflegter aussah. Wir entschieden, die Straße zu überqueren und dort zu warten. Dort angekommen sahen wir durch das Fenster, dass ein deutsches Auto gegenüber anhielt. Einige Soldaten stiegen aus und schauten sich in dem dreckigen Lokal um. Wenig später kamen sie wieder heraus und fuhren ab. Es war klar: wir waren verraten worden, nur zum Glück ohne ernste Folgen. Wir hatten die Hälfte der erforderlichen Summe für die Flucht im Voraus bezahlen müssen und die waren wir los. Wir sind nach Gistoux zurückgekehrt, wo wir die Familie Apflebaum begegneten. Frau Apflebaum schlug meiner Mutter vor, die Kinder zum Château de Bassines zu schicken. Das waren einige Erinnerungen unserer „Ferien“ in Gistoux.

Foto: Foto von Reunion

Dies ist ein Foto der Reunion der ehemaligen Bewohner von Bassines, die 1994 stattgefunden hat. 1992 habe ich damit angefangen sie zu suchen. Zuerst schaute ich im Brüsseler Telefonbuch beim Namen Cougnet und ich fand dort André. Ich rief ihn an und machte einen Termin bei ihm zu Hause aus. Leider erinnerte er sich nicht mehr gut an Bassines und seine Bewohner. Er wusste schon, dass sein Vater eine Auszeichnung von Yad Vashem bekommen hatte. Über meinen Neffen in Tel Aviv erhielt ich eine Kopie der Akte E. Cougnet, in der ich die Telefonnummer von Kurt Pick in Großbritannien fand, der Volkswirt/Bäcker aus Wien. Als ich ihn anrief war er sehr überrascht. Er hatte immer noch Kontakt zu zwei Lehrerinnen und George van Liefferinge. Dies setzte eine Kettenreaktion im Gange und ich fand fast Alle, vor allem mit Hilfe der Vereinigung der in Belgien untergetauchten Kinder. Die Reunion war ein großer Erfolg, aber gleichzeitig auch ein wenig traurig, da viele gefehlt haben, die nicht überlebten, vor allem Eugène Cougnet.

Foto: Foto genommen bei der Enthüllung des Gedenksteins für den verstorbenen Eugène Cougnet

Dieses Foto wurde am 8. Mai 1995 bei der Enthüllung des Gedenksteins für den verstorbenen Eugène Cougnet. Darauf steht geschrieben:

Zur Erinnerung an
Herrn Eugène Cougnet
Gestorben durch Deportation
Gerechter unter den Völkern
Der im Einsatz seines Lebens das Leben von 40 jüdischen Kindern vor deutschen Ausrottung gerettet hat.

Der Herr rechts ist der Bürgermeister der Gemeinde (Monsieur Florent Delorme). Der Gedenkstein wurde an dem Mahnmal für die Opfer der zwei Weltkriege 1914/1918 und 1940/1945 angebracht.

Dieser Gedenkstein war eine Initiative der Vereinigung „Untergetauchte Kinder“ – die Mittel wurden von den früheren Bewohnern des Internats gesammelt.

Fotos von Madame Lulu Wouters

Madame Lulu Wouters ist eine alte bekannte der Familie Cougnet. Sie kam während der Ferien mit Ihrer Mutter nach Bassines und hat einige Schnappschüsse in und um Bassines gemacht. Diese hat sie mir jetzt zugeschickt und mit Vergnügen füge ich sie der Website hinzu:

Foto: Eugène Cougnet in seinem Büro

Eugène Cougnet in seinem Büro.

Foto: Eugène Cougnet hinter seinem Büro

Eugène Cougnet hinter seinem Büro.

Foto: Eugène Cougnet

Eugène Cougnet.

Foto: Eugène Cougnet

Eugène Cougnet.

Foto: Eugène Cougnet

Eugène Cougnet.

Foto: Jean-Jean der jüngste Sohn Cougnets

Jean-Jean der jüngste Sohn Cougnets, leider im vergangenen Jahr, 80-jährig, verstorben.

Foto: André, der mittlere Sohn Cougnets

André, der mittlere Sohn Cougnets, auch "Pouss" genannt - 1997 gestorben. Seine Frau , Claudine, wohnt in Brüssel.

Foto: Pierre, der älteste Sohn Cougnets

Dies scheint mir Pierre, der älteste Sohn Cougnets, zu sein, momentan 96 Jahre alt.

Foto: Der Zugang zu Bassines

Der Zugang zu Bassines. Der Turm war weit und breit sichtbar.

Foto: Innenplatz des Bauernhofes vor Bassines

Der "Cour", Innenplatz des Bauernhofes vor Bassines.

Foto: Platz zwischen dem Schloss und dem Eintrittstor

Nochmal ein schönes Bild vom Platz zwischen dem Schloss und dem Eintrittstor.

Foto: Das Büro

Das Büro.

Foto: Der große Salon

Der große Salon - ich glaube das einzige Bild, das noch existiert.

Foto: Die Bibliothek

Die Bibliothek.

Foto: das Porzelan Zimmer

Ich nannte diesen Raum das Porzelan Zimmer.